Weiter gibt es Erläuterungen zu den verschiedenen Werkzeugen und Hilfsmitteln. Die grundlegende Technik des Laubsägens hat sich bis heute kaum geändert. Erstaunlicherweise können die damaligen Anleitungen auch heute noch (z.T.) verwendet werden. Werkzeuge und Hilfsmittel, wie z.B. der Drillbohrer, gehören noch heute zu den Arbeitsmitteln bei Laubsägearbeiten.
Einige Auszüge sollen hier unverändert wiedergegeben werden.
Die Laubsäge hat eine lange und bemerkenswerte Geschichte. Als handgeführtes Werkzeug wird sie seit über 450 Jahren für feine Holzarbeiten eingesetzt. Bereits im 17. Jahrhundert nutzten Handwerker diese Säge, um filigrane Muster und detailreiche Ornamente in dünnes Holz zu schneiden. Über die Jahrhunderte hinweg entstanden auf diese Weise dekorative Bilderrahmen, Schmuckkästchen, Einlegearbeiten und viele weitere kunstvolle Objekte.
Besonders beliebt wurde das Laubsägen im 19. Jahrhundert, als es sich zunehmend auch im Bereich des kunsthandwerklichen Unterrichts etablierte. Ein interessantes Zeitdokument stammt aus den 1870er Jahren: ein gut erhaltenes Laubsägebuch, das nicht nur praktische Anleitungen enthält, sondern auch ausführlich auf Werkzeuge, Materialien und Techniken eingeht. Viele der darin beschriebenen Methoden sind auch heute noch gültig und bieten Anfängern wie Fortgeschrittenen wertvolle Hinweise.
Seit einer Reihe von Jahren trifft man fast in jeder Haushaltung die so beliebt gewordenen Laubsägearbeiten, welche durch ihre Zierlichkeit und Eleganz den angenehmsten Eindruck machen. Unter den mannigfaltigen Darstellungsweisen der bildenden Künste, nehmen diese Arbeiten keineswegs den letzten Rang ein. Obgleich sie Plastik & Perspektive ausschließend nur als reine Flächenverzierung gelten können. Die Technik derselben ist, im Vergleich zu ihrem früheren Standpunkt, außerordentlich vervollkommnet worden, indem man von den, wenn auch zierlich und geschmackvoll, aber immerhin willkürlich ausgeführten Figuren und Verschlingungen, zu wahrhaft stilvollen, den Anforderungen der Kunst und spezieller Zwecke entsprechenden Ornamenten vorgeschritten ist.
Dies beweisen nicht nur die dem Gegenstande angemessenen und in allen einzelnen Teilen streng durchgeführten reinen Formen des gothischen, orientalischen, des Renaissance- und des naturalistischen Stils, sondern auch die zierlichen Berahmungen der Haupt- und Mittelfelder, die symbolischen oder auch allegorischen Figuren der Inschriften, Medaillons, Rosetten und Sterne, welche den pflanzlichen Ornamenten in bedeutungsvoller und künstlerischer Weise eingereiht sind.[...]
Schon vor über 140 Jahren erkannte man den pädagogischen Wert des Laubsägens. In dem erwähnten Buch wird es als „vorzügliches Bildungsmittel“ bezeichnet. Es fördert neben den ersten handwerklichen Fähigkeiten auch die Koordination von Auge und Hand. Deshalb wurde das Laubsägen schon damals gezielt Jugendlichen empfohlen. Heute würden wir es wohl als kreative Freizeitbeschäftigung oder Einstieg in das Werken bezeichnen.
Die Grundtechnik hat sich über die Jahrzehnte kaum verändert. Mit einer Laubsäge, etwas Sperrholz und einer passenden Vorlage lassen sich auch heute noch viele schöne Objekte gestalten. Das macht das Laubsägen zu einer zeitlosen Beschäftigung, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.
[...] Ein besonderer Vorzug dieses Kunstzweiges aber ist, daß er ohne spezielle Fertigkeiten und Vorkenntnissen von Jedermann sofort kultiviert werden kann. Hat die Hand nur erst einige Fertigkeit und Sicherheit in Führung der Säge erlangt, so vermag man in kürzester Zeit die niedlichsten Kunstwerke zu konstruieren, welche jedem Zimmer zur Zierde gereichen. Diese einfachen und reinlichen Arbeiten können überhaupt als eine Vorschule für weitere Einlege- (Mosaik) und Holzmalerei-Arbeiten gelten. Die Hand wird hierbei in spielender Weise befähigt, leicht und schön geschwungene Linien und Figuren auszuführen; sie gewöhnt sich an Eleganz und Akkuratesse und das Auge gewinnt einen raschen Überblick, ein sicheres Maß für künstlerische Formen und Größenverhältnisse, wodurch eben die (nachfolgenden) schwierigen Holzarbeiten mit Bleistift, Reißmesser, Pinsel, Zirkel und Lineal ungemein erleichtert und vorbereitet werden.
Das Arbeiten mit der Laubsäge darf daher mit Recht als eins der vorzüglichen Bildungsmittel in Bezug auf künstlerische Zwecke für die Jugend angesehen und allgemein empfohlen werden. [...]
Während man früher das benötigte Holz, sogenannte Laubsägeplatten, in Materialwarenhandlungen kaufte, sind heute Baumärkte oder Online-Shops die erste Anlaufstelle. Für Einlegearbeiten oder Verzierungen kamen häufig farbige Papiere und andere dekorative Elemente zum Einsatz.
Die geeigneten Holzarten zu diesen Arbeiten sind Ahorn-, Nußbaum-, Birnbaum-, Mahagoni-, Eichen- und Lindenholz. Die zu verwendenden Brettchen müssen gut zugerichtet, glatt gehobelt und astlos sein. Während ihre Stärke sich ganz nach der Arbeit richtet, nimmt man für feinere Sachen 2 bis 3 ½ mm und für ganz starke Arbeiten 4 bis 5 mm dicke Fourniere. Das für Laubsägearbeiten erforderliche Holz bekommt man fast in jeder größeren Materialwaarenhandlung.
Auch das Übertragen von Motiven auf das Holz hat sich im Kern kaum verändert. Früher nutzte man zum Beispiel Kohlepapier oder pauste Vorlagen von Hand durch. Heute stehen Ihnen dafür praktische Hilfsmittel wie Sprühkleber, Klebevorlagen oder sogar digitale Schnittmuster zur Verfügung. Diese modernen Methoden erleichtern die Arbeit erheblich, ohne den kreativen Prozess zu verändern.
Das Übertragen des Musters auf die Platte kann durch Aufkleben der Zeichnung auf das Holz oder mittels Lakmuspapiers geschehen. Erstere Art ist jedoch ganz zu verwerfen; denn erstens würde die Vorlage für spätere Zwecke verdorben; ferner kann beim Aussägen das Papier leicht reißen oder sich verschieben, und drittens ist es nicht leicht wieder loszutrennen. Das so genannte Kopir- oder Blaupapier wird dagegen zwischen Vorlage und Fournier gelegt und durch Überfahren der Linien mit einem harten Stift auf die Holzplatte übertragen.
Um das lästige Spalten und Verschieben zu vermeiden, müssen die Ecken mit Oblaten oder Mund-Leim auf die Platte befestigt werden. Das Blaupapier kann man sich selbst bereiten, wenn man die Zeit und Mühe nicht sparen will. Man reibt zu diesem Zwecke trockene blaue Farbe in Schweinsfett, rührt selbiges gut untereinander und überstreicht dann das Papier derart, daß es beim Anfassen nicht mehr abfärbt.
Ziemlich aufwendig, war die Zubereitung von Leim. In einem so genannten Leimtiegel wurde der Leim angerichtet.
Der Leim, welcher von der besten Sorte sein muß, weil er dann die Arbeit erleichtert und ungemein dauerhaft macht, wird in möglichst kleine Stückchen zerbrochen und vor dem Kochen mit kaltem Wasser übergossen, worin man ihn 24 Stunden aufschwellen lässt. Man gießt nun das überflüssige Wasser ab, schüttet den Leim in den Tiegel und rührt ihn in demselben während des Kochens, um das Anbrennen zu verhüten, fleißig um. Sobald er überlaufen will, nehme man den Tiegel vom Feuer und rühre so lange, bis kein Überlaufen mehr möglich ist. Wird der Leim zu dick, so verdünnt man ihn im heißen Zustande durch Zugießen von Wasser; jedoch darf er nicht wieder, und selbst wenn man ihn zum ersten Male zubereitet, nur wenige Minuten lang, weil er sonst beträchtlich an Bindekraft verliert. [...]
Die Farben müssen von guter Sorte sein – sog. Honigfarben – um glatte Flächen beim Malen erzielen zu können. Dieselben werden meistens in naturgetreuen Holztönen – rot, gelb, braun, fliedergrau – verwendet. Als Deckfarben benutzt man Schwarz, Grün, Blau sowie Gold und Silber. Gold und Silber kauft man am besten Muscheln.
Viele Werkzeuge, die bereits im 19. Jahrhundert verwendet wurden, sind auch heute noch im Einsatz. Dazu zählen neben der klassischen Laubsäge auch Feilen, kleine Bohrer und das sogenannte „Sägebrett“, das als Arbeitsunterlage dient. Ergänzt wird die Ausstattung heute oft durch moderne Hilfsmittel wie Akkubohrmaschinen oder Präzisionswerkzeuge, die den Arbeitsprozess komfortabler machen. Dennoch bleibt der Charakter der Handarbeit erhalten: Laubsägen erfordert Geduld, ein ruhiges Händchen und die Freude am kreativen Gestalten.
Bohrer:Das Bohren der Löcher geschieht am besten mit einem Drillbohrer, denn mit Mahlen werden die betreffenden Brettchen leicht gesprengt und die Arbeit geht dabei weit langsamer von statten, weil man mit Angst und Vorsicht arbeiten muß. (Abb. von links: Bohrer, Ahle und Drillbohrer)
Laubsäge:Man unterscheidet an der Laubsäge den Bügel (Bogen) und das Sägeblatt. Die Bügel von Holz sind die besten, denn stählerne sind zu schwer und können eben deshalb auch nicht so groß sein. Die Laubsägen müssen für Holzarbeiten ebenso breit als dick und nicht flach sein. Die beste Sorte ist für feine Fourniere No. 0 und 1 und für stärkere Brettchen No. 2 und 3. Das Einspannen des Sägeblattes geschieht zuerst an der Handhabe, und zwar wird dasselbe durch Drehen der Schraube nach rechts gehalten, während eine Drehung nach links es frei gibt. Die Schärfe der Säge muß immer nach abwärts gehen; einesteils ist hierdurch ein besserer Schnitt zu erzielen, anderteils fällt auch der Staub nicht auf die Zeichnung, sondern zum Boden herab.
Bevor das Sägeblatt in die Öffnung der Platte eingelassen wird, ist es nur an einer Seite festzuschrauben. Ist das Blatt eingeschoben, so schraubt man es auch an dem anderen Ende fest und spannt die Laubsäge wie nöthig. Das richtige Spannen muß erst gelernt werden, denn bei schlaffen Anziehen lässt sich kein schöner Schnitt ermöglichen; überdies würde das Sägeblatt leicht brechen. Die richtige Spannung erkennt man daran, daß die Laubsäge beim Berühren mit dem Finger einen hellen Ton von sich giebt. Alsdann wird man rasch sägen und den Bogen leicht und ungehindert nach jeder Richtung lenken können.
Feilen:Die Feilen müssen von verschiedener Stärke sein und dienen zur Beseitigung von mangelhaften und gefranzten Ausschnitten, zum Wegschaffen und Glätten von Anhängsel. Sie müssen, je nachdem der Gebrauch ist, rund, eckig oder halbrund sein und in die Holzgriffe gefaßt werden.
Sägebret:Das Sägebret ist ein gewöhnliches Bret, 41cm lang und breit und 1 ½ cm dick. Das Fournier wird auf die Platte gelegt, und zwar so, daß die Säge gerade in den Einschnitt eingreifen kann.
Ein solches Tischchen wird mit dem Schraubstock an einem festen Gegenstand geschraubt und bietet dann einen sicheren Halt beim Aussägen der Formen, als aus freier Hand, wobei oft die ganze Arbeit zerbricht oder ungleichmäßig ausfällt.
Schraubstock:Der Schraubstock dient nur beim Ausfeilen und Vollenden der Laubsägearbeit, wohin seine Verwendung beim Aussägen vermieden werden muß.
Eiserne Schraubstöcke sind nicht anzuwenden, denn auch bei der größten Vorsicht zerklemmt man oft die mühsam ausgesägten Figuren, was bei hölzernen Zwingen nicht so leicht geschehen kann.
(Abb. zeigt einen Schraubstock aus Holz)
Rauhbankhobel & Stoßlade:
Beim Zusammensetzen der Modelle wird der Rauhbankhobel die besten Dienste leisten. Man legt das betreffende Brettchen, welches bestoßen werden soll, in geeigneter Lage auf die Stoßlade und führt den Hobel an dem Falz entlang.
Die Laubsäge ist mehr als nur ein Werkzeug, sie ist ein Symbol für kreatives Handwerk mit langer Tradition. Ob als Hobby, im schulischen Werken oder in der kunsthandwerklichen Gestaltung: Laubsägen bietet seit Jahrhunderten eine einfache Möglichkeit, mit wenig Materialeinsatz beeindruckende Ergebnisse zu erzielen.
Lassen Sie sich von der Geschichte inspirieren und probieren Sie es selbst aus – vielleicht entsteht auch bei Ihnen ein kleines Kunstwerk mit großer Wirkung.
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